Stadt
20. Mai 2016

Geschichten aus dem Stadtarchiv: Die Burgspiele 1923 und 1924

Erstmals fanden 1893 Burgspiele auf der Festung Kufstein statt. Eine zweite, derartige Veranstaltung gab es beim historischen Stadtfest 1904. An diese, bei den Zusehern beliebten Ereignisse knüpfte man 1923 mit weiteren Aufführungen an. Hauptverantwortlich für die Organisation war der Tourismusverband, in unterstützender Funktion waren beinahe alle anderen Kufsteiner Vereine und die Stadtgemeinde selbst tätig. Aufgeführt wurde das Stück „Walther von der Vogelweide“, eine etwas freiere Adaption des Lebens des bekanntesten deutschen Minnesängers. Das mit Laienschauspielern besetzte, durch eine großangelegte Werbekampagne angekündigte Theaterstück war ein voller Erfolg: Die in- und ausländische Presse berichtete nur Gutes, das Publikum erschien in Massen. Das Ziel, mehr Touristen nach Kufstein zu locken, wurde erreicht.
 
Angeregt vom Erfolg, gründete man Anfang 1924 einen Burgspiel Ausschuss. Die Ziele des Vereins waren hoch gesteckt: Die zukünftig jährlich stattfindenden Freilichtspiele sollten Kufstein zu einem international bekannten Festspielort machen. Das Schauspiel sollte frei nach dem Motto „Größer ist besser“ immer attraktiver werden.
Im Sommer 1924 standen zwei Stücke auf dem Spielplan: Das Historienspiel „Maximilian auf Geroldseck“ und das Marienstück „Maria von Gnadenwald“. Erneut wurde ein ungeheurer Werbeaufwand betrieben, erneut waren die Kritiken überwiegend positiv, aber das Wetter spielte nicht mit. An zahlreichen verregneten Sonntagen hielt sich der Publikumsandrang im überschaubaren Rahmen. Am Ende der Saison stand vor allem eines: Ernüchterung. Aus der Traum von der Festspielstadt. Der Burgspiel Ausschuss war finanziell ruiniert und die Stadt nicht in der Lage, das Defizit zu decken. Gegen Ende der 1950er gab es erneut Pläne für Festspiele auf Geroldseck, in die Tat umgesetzt wurden diese aber nie.