Stadt
26. Juli 2016

Geschichten aus dem Stadtarchiv: Die städtische Schwimmschule

Mitte des 19. Jahrhunderts stand es schlecht um die allgemeine Hygiene in Kufstein. In kaum einem Haus gab es fließend Wasser, die Anzahl der Badezimmer tendierte gegen null. Um dem Missstand ein Ende zu bereiten, und die damit verbundene Seuchengefahr zu verringern, entschied sich die Stadtregierung in den 1860ern ein Badehaus zu errichten. Auf Anraten des Militärs wurde neben einigen mit Warmwasser und Badewannen ausgestatteten Kabinen ein großes Schwimmbecken gebaut.
Der im Juli 1868 begonnene Schwimmbetrieb war strengen Regeln unterworfen: Geöffnet hatte das Bad von 6 Uhr am Morgen bis 8 Uhr am Abend. Täglich von 6 bis 8 Uhr morgens gab es Schwimmunterricht fürs Militär, von 9 bis 11 Uhr für Zivilisten. Zugelassen zum Unterricht waren nur Männer, ebenso durften sich nur diese in den unterrichtsfreien Zeiten im großen Becken aufhalten. Die Benützung der im Winter 1868/69 fertig gestellten Badekabinen war auch den Frauen erlaubt. Je nach Geldbeutel gab es Kabinen für ein bis drei Personen; Badehosen, Handtücher und Seife waren im jeweiligen Eintrittspreis inbegriffen. Erst in den 1920ern wurden die Sitten lockerer, Frauen durften zu den Männern ins große Becken.
Ausgenommen von unbedingt notwendigen Reparaturen und einer größeren Sanierung 1905 blieb die Schwimmschule bis zu ihrem Abbruch in ihrer ursprünglichen Bauform erhalten; 1967 musste das an der Thierseestraße gelegene, den modernen Anforderungen nicht mehr entsprechende Bad Platz für die heranrückende Autobahn machen.