04. September 2026
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Ein Blick zurück: Die Entwicklung des Fremdenverkehrs in Kufstein
![Foto 2_1929_Kaisergebirgerundfahrten_Ordner 36[52]](https://www.kufstein.at/media/titelbilder/foto-2-1929-kaisergebirgerundfahrten-ordner-3652-1.jpg)
Hier zu sehen das – damals rote – Fahrzeug für die Kaisergebirgsrundfahrten vor dem Fremdenverkehrs-Amt am Oberen Stadtplatz, um 1929. Foto: Stadtarchiv Kufstein
von Milena Prommegger
"Eine unwirtliche, lebensgefährliche Steinwüstenei“ – diesen Ruf hatte Tirol inne und entsprechend gering war die Rolle des Fremdenverkehrs als Wirtschaftsfaktor für lange Zeit.
Die Wahrnehmung änderte sich im 19. Jahrhundert: Vor allem in der Literatur erfuhren Tirol und das Kaisergebirge eine neue Anerkennung. Schriftsteller wie Ludwig Steub, Adolf Pichler (nach welchen in Kufstein Straßen benannt wurden) und Heinrich Noé schrieben in ihren Reise- und Wanderbüchern begeistert über ihre Erfahrungen in Tirol und weckten so das Interesse von stadtmüden Sommerfrischler:innen, die Erholung in der Natur suchten.
Dies allein führte jedoch nicht zum Aufschwung des Fremdenverkehrs ab Anfang der 1870er Jahre in Kufstein, vielmehr war der Anstieg das Ergebnis eines Zusammenspieles einiger begünstigender Faktoren:
- Reisen wurde durch die Eisenbahn um ein Vielfaches bequemer und schneller.
- Kufstein war als Grenzstadt geographisch gut gelegen.
- Die Entwicklung des alpinen Sports rückte das Kaisergebirge im Sommer wie im Winter in den Fokus von abenteuerlustigen und/oder erholungssuchenden Reisenden.
- Kufstein samt Umgebung wurde zum beliebten Reiseziel für Kletter:innen und Wintersportler:innen.
Triebfedern
Die Geschichte des Fremdenverkehrs in Kufstein ist eng verbunden mit einem Namen: dem Stadtpfarrer Dekan Dr. Matthäus Hörfarter. Dieser Visionär und begeisterte Bergsteiger erkannte als einer der ersten die wirtschaftlichen Vorteile des Tourismus und gründete den Verschönerungsverein im Jahr 1874 sowie die Alpenvereinssektion Kufstein (1877). Er war für den Bau von Bad Kienbergklamm verantwortlich und ließ Anlagen und Alleen entlang des Stadtbergs, auf dem Kalvarienberg und am Kienbühel errichten. Neue Wege, Beschilderungen und Geländer zur Sicherung von Wandernden wurden angelegt und Ruhebänke aufgestellt. Außerdem initiierte er den Bau der Schutzhütte Hinterbärenbad (das spätere Anton-Karg-Haus) sowie des Stripsenjochhauses. Seine vielfältigen Maßnahmen prägen noch heute das Stadtbild Kufsteins und die Gemeinde würdigte seine Verdienste mit einem Denkmal am Unteren Stadtplatz.
Neben Dekan Hörfarter ist auch Anton Karg zu nennen, welcher als Vorstand des Alpenvereins und als Fotograf viel Einfluss auf den Kufsteiner Fremdenverkehr genommen hat. Die von ihm angefertigten Bilder, welche im gemeinsam mit Eduard Lippott gegründeten Postkartenverlag herausgegeben wurden, trugen die malerischen Ansichten von Kufstein samt umliegender Bergwelt hinaus in die Welt und weckten in so manchen Sommerfrischler:innen oder Sportbegeisterten die Sehnsucht nach der wunderschönen Natur oder abenteuerlichen Kletterpartien.




Bad Kienbergklamm; Foto: Anton Karg, Stadtarchiv Kufstein
Vereine und Gastronomie
Weitere Vereine wurden gegründet, um Besucher:innen nach Kufstein zu locken, wie der 1891 gegründete Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs oder der Wintersportverein (1904). Werbung wurde in überregionalen Illustrierten und Zeitungen geschaltet und die Gemeinde investierte in den Fortschritt, zum Beispiel in den Bau von neuen Wasserleitungen oder dem Elektrizitätswerk.
Die Bemühungen um Gäste blieben nicht umsonst: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Tourismus für die Region ein bedeutender Wirtschaftssektor geworden – die Nächtigungszahlen verdoppelten sich im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts und spülten Geld in die Kassen von Hoteliers, Gastronomieangestellten, Bergführer:innen und vielen mehr. Gasthäuser und Hotels wurden in dieser Zeit eröffnet oder umgebaut, darunter das Hotel von Josef Egger am Oberen Stadtplatz, das Hotel zu den drei Königen, das Auracher Löchl sowie die Gasthöfe Zellerburg und Neuwirt.
„Der große Einbruch“ oder „ein Auf und Ab“
Und dann die Zäsur: Der Erste Weltkrieg hatte verheerende Auswirkungen auf viele Bereiche und der Tourismus kam beinahe gänzlich zum Erliegen. Waren es im Jahr 1913 noch 31.485 Gäste, welche Kufstein besuchten, so schrumpfte die Zahl im Jahr 1917 auf 243, das entspricht einem Rückgang von über 99 %! Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges war die Gemeinde sehr darauf bedacht, wieder Urlauber:innen in die Stadt zu locken, und setzte einige Infrastrukturmaßnahmen (z. B. Fertigstellung der Thierseestraße) zugunsten des Fremdenverkehrs um. Doch die Wiederbelebung des Tourismus wurde nicht von der gesamten Bevölkerung begrüßt: Mehr Gäste bedeuteten einen Preisanstieg bei den durch die Inflation ohnehin teuren und knappen Lebensmitteln.
Nichtsdestotrotz erholte sich die Branche und erreichte im Jahr 1929 Spitzenwerte mit 157.853 Nächtigungen. Bereits ein Jahr darauf begannen die Zahlen wieder zu sinken und ein weiterer signifikanter Einschnitt betreffend der Gästezahlen war die Einführung der Tausend-Mark-Sperre am 27.05.1933: Alle reichsdeutschen Einreisenden mussten nun ein Visum in der Höhe von 1.000 Mark erwerben. Nicht überraschend also, dass die Gäste in der Folge ausblieben. Nach Aufhebung der Tausend-Mark-Sperre im Jahr 1936 und vor allem im Zusammenhang mit der Propaganda für den Anschluss an das Deutsche Reich strömten wieder vermehrt Urlauber:innen nach Kufstein – Ende 1938 waren die Übernachtungszahlen 3x so hoch wie ein Jahr zuvor.
Der/die geschichtlich interessierte Leser:in vermutet es bereits: Wieder stoppte der Ausbruch eines Krieges den wirtschaftlichen Höhenflug des Fremdenverkehrs.
Erst ab 1950 kann man wieder von einem langsamen Aufschwung sprechen. Filme wie „Der Bergkristall“, „Das doppelte Lottchen“ und „Das fliegende Klassenzimmer“ setzten Kufstein und Umgebung gekonnt in Szene und machten mit idyllischen Bildern über die Grenzen hinaus auf die Stadt am Inn aufmerksam. Das Lied „Die Perle Tirols“ von Karl Ganzer trug den Namen Kufstein in die Welt hinaus und die Gemeinde bemühte sich unter anderem mit Aktionen wie den Blumenschmuckwettbewerben darum, dass „der Reisende freundlichst vom Stadtbild berührt wird“.
Seit Mitte des letzten Jahrhunderts steigen die Nächtigungszahlen stetig an und der Fremdenverkehr ist nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt (im Jahr 2025 – 186.186 Übernachtungen). Auch wenn Kufstein die Bedeutung als Wintersportplatz weitestgehend eingebüßt hat, locken viele verschiedene Kulturangebote, Freizeitaktivitäten, die Festung und die wunderschöne Natur das ganze Jahr Gäste an.

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